Verbands-Geschichte
Viele Jahre hindurch wurden Kinder mit Legasthenie in Sonderschulen eingewiesen. Eine große Unsicherheit wie diese Kinder zu beschulen sind, war der Grund. Denn wer nicht richtig schreiben und lesen kann, galt als dumm oder faul. So war die Einstellung in Schulen, bei manchem Lehrherren, aber auch in der Gesellschaft. Mitunter hören wir diese Vorurteile heute noch, obwohl viele der betroffenen Schüler ganz besondere Fähigkeiten in technisch-mathematischen, künstlerischen oder auch literarischen Bereichen haben.
Eltern und Lehrer, besonders die Sonderpädagogen sahen, dass diese Kinder in der Sonderschule verkümmerten, weil ihre Störung nicht ausreichend gefördert wurde und ihre intellektuellen Fähigkeiten keine Beachtung fanden.

So entstanden in den 60iger Jahren in Stuttgart, später in Karlsruhe und Freiburg, Legastheniker-Klassen. Damals gehörten sie noch in den Sonderschulbereich für Lernbehinderte.

1973 wurden erste Richtlinien für den Unterricht und die Förderung von Schülern mit Legasthenie entwickelt. Es wurden 60 Multiplikatoren ausgebildet, die ihrerseits Grund- und Hauptschullehrer fortzubilden hatten.

Es war an der Zeit Kräfte zu bündeln, um keinen Schaden für die Kinder entstehen zu lassen. Unter dem Dach des seit 1974 bestehenden Bundesverbandes wurde der Kreisverband Legasthenie Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald 1977 gegründet. 1981 entstand der Landesverband Legasthenie, um möglichst vielen Betroffenen in ganz Baden-Württemberg helfen zu können. Engagierte Eltern gründeten überall dort, wo die Not und Unkenntnis besonders groß war, Arbeitskreise und Kreisverbände und stellten sich mit ihren Erfahrungen vor Ort als Beraterinnen zur Verfügung.

2002 wurde die Dyskalkulie in unsere Satzung und in unsere Aufgabenstellung mit aufgenommen.

Ziel des Verbandes war und ist bis heute die schulische Situation der Schüler mit Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und oder Rechnen zu verbessern und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.

Was wurde getan?

Erster Kontakt mit dem damaligen Kultusminister Prof. Dr. Roman Herzog, 1978, war der 1. Schritt die Schaffung der Richtlinien für ganz Baden-Württemberg. Inhalte waren spezielle Fördermaßnahmen über die 6. Klasse hinaus, stärkere Berücksichtigung der mündlichen Leistung und keine Benachteiligung durch schlechte Rechtschreibbenotung, um Übergänge an weiterführende Schulen zu ermöglichen.

1985 überreichte der Landesverband dem Kultusminister, eine umfassende Dokumentation in der die traurigen Schullaufbahnen von 14 Schülern geschildert wurden.

Seit 1988 bis heute haben wir bei der Gestaltung der Richtlinien mitgearbeitet und Verbesserungsvorschläge eingebracht, die teilweise in die Verwaltungsvorschriften aufgenommen wurden.

Auf Anregung des Landesverbandes und in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Kultus und Sport entstanden drei Broschüren, die landesweit an Schulen verteilt wurden .

Der Landesverband wurde zur Mitwirkung in Arbeitsgruppen im Kultusministerium eingeladen wie “ Grundschule der Zukunft”, “Schulanfang auf neuen Wegen”, “ Frühes Fremdsprachenlernen”.

Drei Landesverbandsbroschüren entstanden, die die schulrechtliche und die sozialrrechtliche Situation erläutern. Viele Papiere, z.B. zu der leider oft falsch verstandenen Verwaltungsvorschrift von 2008 sowie Wegweiser für Eltern und Lehrer wurden entwickelt.

Oft müssen wir gegen den Strom schwimmen, gegen Vorurteile ankämpfen, für die Rechte der Betroffenen einstehen, Eltern Ängste nehmen und Hindernisse überwinden, um Menschen mit Legasthenie oder Dyskalkulie eine Zukunft zu eröffnen.