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Häufige Fragen

 

Woran kann ich erkennen, ob mein Kind Legasthenie/Dyskalkulie hat?

Kann man Legasthenie /Dyskalkulie schon im Vorschulalter nachweisen?

Wie äußert sich Legasthenie /Dyskalkulie im 1. /2. Schuljahr?

Wie äußert sich Legasthenie /Dyskalkuie bei älteren Kindern?

Kann man Legasthenie /Dyskalkulie heilen?

Wie kann ich mein legasthenes / rechenschwaches Kind sinnvoll fördern?

Braucht ein legasthenes /rechenschwaches Kind in jedem Fall eine Therapie?

Therapie ist teuer. Ist ein guter Nachhilfe-Unterricht nicht fast genauso gut?

Was passiert, wenn legasthene Kinder keine Förderung erfahren?

Mein Kind liest und schreibt sehr schlecht. Trotzdem hat die Lehrerin gesagt,
es hat keine Legasthenie. Was kann ich tun?

Wie kann ich verhindern, dass mein Kind in der Schule Ausgrenzung und Hänselei erfährt, wenn bekannt wird, dass es Legasthenie /Dyskalkulie hat?

Unser Sohn hat in der ersten Klasse kaum lesen gelernt. Die Lehrerin meint, wir sollen ihn das Schuljahr (freiwillig) wiederholen lassen, aber wir wissen nicht, ob das die richtige Entscheidung wäre.

Mein Kind nimmt seit einem Jahr am LRS-Kurs in der Schule teil, aber seine Leistungen in Deutsch bleiben sehr schlecht. Was kann ich tun?

Woher kommt Legasthenie /Dyskalkulie?

Wie viele Legastheniker/Dyskalkuliker gibt es eigentlich?

Stimmt es, dass Legasthenie im Alter von 14 oder 15 Jahren von alleine besser wird?

Kann mein Kind trotz Legasthenie /Dyskalkulie eine höhere Schule besuchen?

Hat Legasthenie etwas mit den Augen zu tun?

Mein Kind hat lesen gelernt, ist aber ein sehr schlechter Rechtschreiber? Kann es trotzdem sein, dass es Legasthenie hat?

Mein Kind hat nicht nur mit dem Lesen und Diktatschreiben Probleme, sondern auch beim Aufsatz. Kann es trotzdem sein, dass es Legasthenie hat?

Unser Kind wurde von einem Psychologen getestet und dabei eine Legasthenie festgestellt. Ich habe dann mit seinem Lehrer gesprochen und der hat gesagt: bei mir gibt es keine Sonderbehandlung für einzelne Schüler. Kann ich auf einer Anwendung der Verwaltungsvorschrift bestehen?

Mein legasthener Sohn ist im 7. Schuljahr und schreibt immer noch sehr viele Fehler im Diktat. Die Lehrerin sagt, für das 7. Schuljahr ist die Verwaltungsvorschrift nicht mehr gültig. Ist das tatsächlich richtig?

Ich habe einen legasthenen Sohn (8 Jahre) und noch ein Kindergartenkind. Kann man einer Legasthenie im Vorschulalter wirksam vorbeugen?

Mein Sohn ist 11 Jahre alt und Legastheniker. Wird er überhaupt jemals richtig schreiben lernen?

Ich habe mein Kind bei einem Psychologen testen lassen. Dort wurde eine Begabung am unteren Rand des Durchschnitts festgestellt und mir gesagt, dass aus diesem Grund keine Legasthenie vorliegt. Ich bin dennoch der Meinung, dass die Schwierigkeiten meines Sohnes spezifisch sind und nicht einfach auf Begabungsmangel beruhen. Wie kann ich für mein Kind zu einer Förderung kommen?


Woran kann ich erkennen, ob mein Kind Legasthenie/Dyskalkulie hat?

Als Laien können wir nicht eindeutig feststellen, ob ein Kind von einer Lernstörung (Legasthenie oder Dyskalkulie) betroffen ist.

Wir können aber auf Anzeichen achten, die vermuten lassen, dass möglicherweise eine Lernstörung vorliegt.

Wenn Ihr Kind nach diesem Anzeichenkatalog auffällig ist, sollten Sie durch einen Fachdiagnostiker klären lassen, ob eine Legasthenie /Dyskalkulie vorliegt (fragen Sie Ihren örtlichen Arbeitskreis/ Verband Legasthenie nach Empfehlungen).

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Kann man Legasthenie /Dyskalkulie schon im Vorschulalter nachweisen?

Legasthenie und Dyskalkulie (als Störungen des Lesen- und Schreibenlernens bzw. des Rechnenlernens) entstehen erst, wenn diese Fertigkeiten von einem Kind gefordert werden, in der Regel also in der Schule, und sind deshalb auch erst im Schulalter wirklich nachweisbar.

Kinder, die in der Schule beim Schriftspracherwerb Probleme bekommen werden, sind jedoch oft bereits im Vorschulalter auffällig, vor allem in ihrer Sprachentwicklung, manchmal auch in ihrer motorischen Entwicklung. Deshalb ist es durchaus möglich, Kinder im Vorschulalter zu identifizieren, die ein erhöhtes Risiko tragen, in der Schule eine Legasthenie zu entwickeln.

Folgende Auffälligkeiten deuten auf ein erhöhtes Legasthenie-Risiko hin:

Ein verzögerter Sprechbeginn, ein eingeschränktes Sprachverständnis, Sprechschwierigkeiten, soweit keine körperlichen Ursachen (etwa eine Hörstörung) erkennbar sind, Probleme beim Erkennen von Reimen und Silben.

Eine recht gute Vorhersage erlauben standardisierte Verfahren, die in den letzten Jahren publiziert wurden (Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibfähigkeit BISC). Dieses Verfahren wird in der zweiten Hälfte des letzten Kindergartenjahres eingesetzt. Faktoren, die im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Legasthenie stehen, sind im Wesentlichen Einschränkungen in der Lautwahrnehmung (= Fähigkeit zur Lautanalyse, -synthese und zum Lautgedächtnis – siehe mehr dazu auch unter www.phonologische-bewusstheit.de) wie z.B. die bewusste Wahrnehmung und Unterscheidung von Silben und Lauten in der gehörten und gesprochenen Sprache. Die zentrale Bedeutung der phonologischen Bewusstheit für die Entstehung von LRS ist international in vielen Studien eingehend untersucht und belegt worden.

Für die Dyskalkulie ist noch nicht so intensiv nach Risikofaktoren geforscht worden und es gibt bisher kein dem BISC vergleichbares Testverfahren.

Aufgrund von Erfahrungen lassen jedoch Auffälligkeiten in bestimmten Wahrnehmungsbereichen (v.a. Raum-Lage-Unsicherheit und motorische Teilleistungsstörungen) und Sprachstörungen auf ein erhöhtes Dyskalkulie-Risiko schließen.

 

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Wie äußert sich Legasthenie im Lese- und Schreiblernprozess
(1. und 2. Schuljahrt)?

Lese-Lernprozess: Schwierigkeiten bei der Laut-Schriftzeichen-Zuordnung, beim Verbinden ("Zusammenschleifen") von Lauten, beim Zusammenführen eines gelesenen Worts mit seiner Wort-Bedeutung, beim Sinn-Erfassen von Sätzen und Abschnitten. beim inhaltliches Verstehen von Gelesenem. Bedingt durch diese Schwierigkeiten bleiben Legastheniker sehr langsame Leser, denen es nicht gelingt, Silben, Worte oder Satzteile "mit einem Blick" zu erfassen.

Schreib-Lernprozess: Schwierigkeiten bei der Unterscheidung einzelner Buchstaben, Probleme bei der Umsetzung vom Gehörten ins Geschriebene (Laut-Unterscheidungsprobleme), Weglassen oder Hinzufügen von Buchstaben, Schreiben so genannter Wortruinen, Probleme beim Abschreiben von Wörtern und Sätzen (Merkschwierigkeiten), unleserliche Schrift, hohe Fehlerquote vor allem bei ungeübten Diktaten.

Jedes einzelne dieser Symptome kann bei einem betroffenen Kind auftreten, es muss aber nicht auftreten. Jedes Kind hat seine eigene Legasthenie mit seiner individuellen Symptomausprägung.

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Wie äußert sich Legasthenie bei älteren Kindern (3. und 4. Schuljahr)?

Leistungsdefizite aufgrund von eingeschränktem, d.h. verlangsamtem oder fehlerhaftem Lesevermögen und mangelhafter Rechtschreibung machen sich auch in anderen Fächern bemerkbar, z.B.in Mathematik, wenn Textaufgaben bearbeitet werden sollen, in Heimat- und Sachkunde oder Religion, wenn Texte von der Tafel abgeschrieben und ein Heft geführt werden muss, aus dem das Kind für Tests und Klassenarbeiten lernen soll.

Das Lesen bleibt meist stockend (langsam mit vielen Fehlern und Selbstkorrekturen) oder aber flüchtig (flüssig, aber viele Worte werden ausgelassen oder durch andere - mehr oder weniger sinngemäße - ersetzt).

Bei den Diktaten (vor allem bei ungeübten) fällt eine sehr große Fehlerzahl auf. Legasthene Kinder machen keine "typischen Legastheniker"-Fehler, aber jedes einzelne Kind kann sehr wohl seine eigenen Fehlerhäufungen haben (z.B. bei Doppelkonsonanten, Dehnungen, Groß-/Kleinschreibung o.a.)

Legastheniker haben oft auch beim Aufsatzschreiben Probleme, z.B. mit Wortschatz, Satzbau und Grammatik, vor allem dann, wenn sie in ihrer Vorgeschichte eine verzögerte Sprachentwicklung hatten oder wenn sie an Laut-Differzierungsproblemen leiden (Verwechseln von "ihm" und "ihn", "dem" und "den"). Probleme beim Aufsatzschreiben treten auch auf, wenn Kinder Schwierigkeiten haben, Dinge der Reihe nach zu erzählen oder wenn sie mit Wortfindungsproblemen kämpfen.

Viele Legastheniker haben eine Schwäche im Kurzzeitgedächtnis, die zu Schwierigkeiten beim Einprägen von (schrift-) sprachlichen Lerninhalten führt.

Beim Einmaleins-Lernen tun sich viele Legastheniker schwer, die eine verlangsamte Hörverarbeitung haben. Sie lernen es meist nicht, "auf Anhieb" zu antworten und kassieren den Tadel, nicht gut gelernt zu haben.

Bei allen schulischen Problemen fällt auf, dass auch häufiges und intensives häusliches Üben nur geringe oder gar keine Verbesserungen der Schulleistungen bringt.

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Kann man Legasthenie /Dyskalkulie heilen?

Um Lernstörungen wie Legasthenie oder Dyskalkulie heilen zu können, müsste man die Ursachen beseitigen können.

Man weiß heute, dass Legasthenie /Dyskalkulie mit veränderten Verarbeitungprozessen (schrift-) sprachlicher Informationen im Gehirn zusammenhängt. Diese Vorgänge sind sehr komplex und bisher gibt es keine Möglichkeit, darauf einen nachweisbaren Einfluss zu nehmen. Es ist auch nicht zu erwarten, dass dies in absehbarer Zeit möglich sein könnte und es stellt sich die berechtigte Frage, ob dies überhaupt wünschenswert wäre. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die andere Informationsverarbeitung für die von Legasthenie /Dyskalkulie betroffenen Menschen nicht nur Nachteile, sondern vielleicht auch sehr positive Auswirkungen hat.

Die wirkungsvollsten Hilfen, die man legasthenen und rechenschwachen Kindern heute geben kann, sind Nachteils-ausgleichende Hilfen:

  • geeignete Lern- und Arbeitsstrategien, mit denen sie ihr Handikap austricksen können
  • Emotionale und praktische Unterstützung durch Familie, Schule und Freunde
  • Einsatz technischer Hilfsmittel (Kassettenrecorder, Computer etc.)
  • Verzicht auf stigmatisierende und diskriminierende Behandlung in Schule und Gesellschaft.

Wenn diese Hilfen zur Verfügung stehen, können betroffene Menschen ihr Begabungspotential trotz der Lernstörung entfalten und eine Legasthenie oder Dyskalkulie verliert ihren belastenden Charakter.

In diesem Fall verliert auch die Frage einer Heilung ihre Bedeutung.

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Wie kann ich mein
legasthenes / rechenschwaches Kind sinnvoll fördern?

Die wichtigste Unterstützung, die Sie Ihrem Kind geben können und unbedingt geben sollten, ist Verständnis für seine Schwierigkeiten, Vertrauen in seine Fähigkeiten, sowie Geborgenheit und Trost, wenn es schulische Misserfolge verarbeiten muss.

Sprechen Sie auch mit seinen Lehrern und versuchen Sie diese für eine schulische Unterstützung und Förderung zu gewinnen.

Achten Sie darauf, dass aus den Hausaufgaben keine Marathon-Sitzungen werden. Legen Sie lieber eine Pause ein oder brechen Sie ab und schreiben Sie eine Notiz an die Lehrerin, wenn Ihr Kind für eine Aufgabe unangemessen lange braucht.

Sie können Ihr Kind bei den Aufgaben auch unterstützen, indem Sie z.B. bei einem Haus-Aufsatz das Niederschreiben (nach Diktat des Kindes) übernehmen, wenn es selbst mit dem Niederschreiben große Mühe hat. Beim Aufsatz kommt es schließlich vor allem auf den Inhalt an.
Das Niederschreiben können Sie auch übernehmen, wenn ihr Kind eine Aufgabe mündlich gelöst hat. Schreiben Sie aber auf jeden Fall dann eine Notiz an die Lehrerin dazu oder sprechen Sie vorher mit dem Lehrer/ der Lehrerin.

Helfen sie Ihrem Kind bei der Organisation seiner schulischen Aufgaben. Machen Sie mit ihm einen Zeitplan (wie lange brauche ich für Mathe, für Englisch, für Deutsch? Wann muss ich also damit beginnen, damit ich fertig werde?) und sorgen Sie dafür, dass dieser Plan eingehalten wird.
Überlegen Sie mit Ihrem Kind auch gemeinsam eine sinnvolle Reihenfolge der Aufgaben (Was fällt mir schwer? was fällt mir leicht? womit fange ich also an?) Bewährt hat sich z.B. die folgende Reihenfolge: zuerst etwas Einfaches, zum "Anwärmen", das schnell erledigt ist. Das gibt das gute Gefühl, schon etwas geschafft zu haben. Dann kommt ein "dicker Brocken" und zum Schluss wieder eine einfachere Aufgabe, die man auch noch machen kann, wenn die Konzentration etwas nachlässt. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind möglichst nur einen "dicken Brocken" am Tag bewältigen muss

Machen Sie mit Ihrem Kind Spiele, die ihm Spaß machen und seine Konzentration, seinen Wortschatz, sein Gefühl für Sprache (Rhythmus, Reime, Silben...) stärken und vielleicht auch Schreibweisen von Wörtern trainieren, z.B. "Galgenmännchen", "Scrabble","Wörter raten", "Reime bilden"...usw

Eine systematische Legasthenieförderung durch die Eltern ist nur unter sehr günstigen Rahmenbedingungen sinnvoll und zu empfehlen:

Die Voraussetzung für ein solches häusliches Fördern ist, dass ein Elternteil viel Geduld und ausreichend Zeit hat, über einen längeren Zeitraum mit seinem Kind regelmäßig und konsequent zu arbeiten und dass die emotionale Situation zwischen Eltern und Kind nicht bereits (z.B. durch einen längeren "Hausaufgabenkrieg") belastet ist. Die Übungen sollten sich an einem für Legastheniker/Dyskalkuliker erprobten Förderprogramm orientieren, mit der Schule abgestimmt sein und die Eltern sollten nach Möglichkeit durch einen Lerntherapeuten angeleitet werden. Wichtig ist, dass das Kind zum gemeinsamen Üben bereit ist und das Eltern-Kind-Verhältnis keine zusätzliche Belastung durch die Förderung erfährt.

Wenn diese Bedingungen nicht erfüllt sind, ist es besser, für das Kind eine geeignete außerschulische Therapie zu suchen.

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Braucht ein legasthenes /rechenschwaches Kind
in jedem Fall eine Therapie?

Wenn bei einem Kind die Lernstörung rechtzeitig (möglichst im ersten, spätestens bis Mitte des zweiten Schuljahrs) erkannt wird und der Lehrer/die Lehrerin kompetent und in der Lage ist, durch geeigneten Unterricht (Binnendifferenzierung, Fördergruppen oder LRS-Förderklassen, Nachteilsausgleich, Einbeziehung der Klasse, Einüben geeigneter Lernstrategien, Erlauben technischer Hilfsmittel und Anbieten anderer Lern- und Vermittlungswege) ein betroffenes Kind "aufzufangen", dann ist eine erfolgreiche und seelisch wenig belastende Schulzeit durchaus möglich und eine Therapie sicher nicht erforderlich.

Das Leiden an der Legasthenie/Dyskalkulie beginnt für die betroffenen Kinder immer erst, wenn die Schule diese Kinder mit ihren anders gearteten Lernbedürfnissen im Stich lässt.

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Therapie ist teuer. Ist ein guter Nachhilfe-Unterricht nicht fast genauso gut?

Nachhilfe-Unterricht ist etwas ganz anderes als eine Legasthenie- oder Dyskalkulie-Therapie und kann eine solche deshalb in der Regel nicht ersetzen.

Im Nachhilfe-Unterricht geht es darum, im Unterricht nicht Verstandenes zu klären, bestimmte Lerninhalte durch Übung zu festigen und Wissenslücken zu schließen oder auch den Stoff für Klassenarbeiten und Prüfungen zu wiederholen.

Eine Therapie hat eine andere Funktion: sie schafft beim Kind erst die Vorraussetzungen für ein sinnvolles Üben, indem sie ihm durch didaktische Hilfen einen anderen Zugang zur Schriftsprache/ zu den Grundrechenarten eröffnet, den ihm der normale Unterricht nicht anbietet. Kinder mit Legasthenie /Dyskalkulie sind auf solch einen eigenen Zugang zum Lernen angewiesen, ein langsameres Vorgehen oder mehrfaches Wiederholen des Unterrichtsstoffs (die Methode der Förderschulen) hilft ihnen nicht.

Legasthenie oder Dyskalkulie sind durch reines Üben nicht zu bewältigen.

Schwierigkeiten beim Lesen-, Schreiben- oder Rechnenlernen, die andere Ursachen haben (z.B. Fehlzeiten wegen Krankheit, Umzug, familiäre Schwierigkeiten, Sprachschwierigkeiten bei Migrantenkindern und was sonst zu Schulschwierigkeiten führen kann), können dagegen durchaus durch einen guten Nachhilfeunterricht aufgefangen werden. Deshalb ist es wichtig, zunächst durch eine qualifizierte Diagnose zu klären, wo die Ursachen für seine Lernprobleme liegen und welche Förderung ein Kind benötigt.

Unter bestimmten Voraussetzungen können Sie eine Erstattung der Therapiekosten durch das Jugendamt oder durch Ihre Krankenkasse erreichen.

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Was passiert, wenn legasthene Kinder keine Förderung erfahren?

Das ist in einer Längsschnittstudie eingehend untersucht worden, die Forscherteams der Universität Potsdam und des Zentralinstituts für seelische Gesundheit in Mannheim über 17 Jahre mit 400 Kindern durchgeführt haben, bei denen im Alter von 8 Jahren eine LRS festgestellt worden war.

Was aus ihnen geworden ist, als sie 25 Jahre alt waren, können Sie in einem Bericht der Ärztezeitung nachlesen. (Leider funktioniert der Link nicht mehr und ein neuer zu diesen Ergebnissen ist noch nicht gefunden)

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Mein Kind liest und schreibt sehr schlecht. Trotzdem hat die Lehrerin gesagt, es hat keine Legasthenie. Was kann ich tun?

Leider können Sie sich auf solch eine Aussage einer Lehrerin nicht verlassen, denn nicht alle Lehrer wissen über Legasthenie /Dyskalkulie wirklich Bescheid und manche stellen leider immer noch derartige, über den Daumen gepeilte "Diagnosen". Ein Lehrer ist aber kein Fachdiagnostiker. Er hat weder die diagnostischen Mittel zur Verfügung noch die Kompetenz und Erfahrung, diese richtig einzusetzen und zu interpretieren.

Schauen Sie sich deshalb den Anzeichenkatalog (s. auch Frage 1) an und beobachten Sie Ihr Kind, ob es nach diesem Katalog auffällig ist. Wenn dies der Fall ist, suchen Sie einen mit Lernstörungen erfahrenen Testpsychhologen auf und (fragen Sie Ihren örtlichen Arbeitskreis/ Verband Legasthenie nach Empfehlungen) veranlassen Sie eine diagnostische Untersuchung Ihres Kindes. Vergessen Sie nicht, sich auch zu vergewissern, dass Ihr Kind keine körperlichen Beeinträchtigungen hat (Besuch beim Hausarzt, beim Augenarzt, beim Ohrenarzt)

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Wie kann ich verhindern, dass mein Kind in der Schule Ausgrenzung und Hänselei erfährt, wenn bekannt wird, dass es Legasthenie /Dyskalkulie hat?

Beides kann Ihr Kind auch erleiden, wenn seine Legasthenie /Dyskalkulie nicht bekannt wird (vielleicht gerade dann), denn seine Probleme mit dem Lesen, Schreiben oder Rechnen kann es ohnehin nicht dauerhaft verbergen.

Und wenn es erst den Ruf hat, "dumm" zu sein, ist ihm die Außenseiterrolle in der Klasse fast schon sicher. Ausräumen lässt sich dieses Problem nur durch ein offenes Gespräch mit der Klasse: Legastheniker und Kinder mit Dyskalkulie sind gerade nicht "dumm" und auch nicht "faul". Sie haben eine Störung, die ihnen das Lernen erschwert, deshalb brauchen sie Unterstützung von Lehren und Mitschülern. Sprechen Sie mit dem Lehrer Ihres Kindes darüber und erklären Sie vielleicht selbst den anderen Kindern im Beisein des Lehrers, worin das Problem Ihres Kindes eigentlich besteht.

Am schlimmsten ist es übrigens, wenn ihr Kind sich schließlich selbst ein Etikett verpasst "ich bin eben dumm" "ich bin ein Versager" "ich kann ja nichts". Deshalb ist es wichtig für das Selbstwertgefühl Ihres Kindes, dass es lernt, offen zu seiner Schwäche zu stehen: "Ich habe Legasthenie /Dyskalkulie und mir fällt das Lesen /Schreiben /Rechnen ziemlich schwer. Aber ich bin nicht dumm"

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Unser Sohn hat in der ersten Klasse kaum lesen gelernt. Die Lehrerin meint, wir sollen ihn das Schuljahr (freiwillig) wiederholen lassen, aber wir wissen nicht, ob das die richtige Entscheidung wäre.

Sie sollten unbedingt klären lassen, warum Ihr Kind bisher nicht lesen gelernt hat. Wenn es Legastheniker ist, besteht die Gefahr, dass es auch nach einem Wiederholen der ersten Klasse noch nicht lesen kann.

Wenden Sie sich an eine/n erfahrene/n Fachdiagnostiker/in (fragen Sie Ihren örtlichen Arbeitskreis/ Verband Legasthenie nach Empfehlungen) und veranlassen Sie eine sorgfältige Diagnose. Vom Ergebnis dieser Untersuchung wird es abhängen, welche Förderung er/sie für Ihr Kind empfehlen wird und ob eine Wiederholung des Schuljahrs sinnvoll ist.

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Mein Kind nimmt seit einem Jahr am LRS-Kurs in der Schule teil, aber seine Leistungen in Deutsch bleiben sehr schlecht. Was kann ich tun?

Sie sollten zweierlei tun:

durch eine qualifizierte Diagnose in Erfahrung bringen, welcher Art und Schwere die Lernschwierigkeiten Ihres Kindes sind. Wenn es eine Legasthenie hat, dann ist die Förderung im schulischen LRS-Kurs möglicherweise nicht ausreichend.

durch ein Gespräch mit dem Förderlehrer die Qualität des LRS-Kurses in Erfahrung bringen: Findet der Kurs regelmäßig statt? Hat es öfters Lehrerwechsel darin gegeben? Welche Fortbildng hat der Lehrer/die Lehrerin erhalten, der/die den Kurs leitet? Wie viele Kinder besuchen den LRS-Kurs? Was für Übungen werden in dem Kurs gemacht? Mit welchen Methoden wird dort gearbeitet?

Durch diese Maßnahmen können Sie erfahren, ob Ihr Kind möglicherweise eine andere Förderung braucht als der schulische LRS-Kurs bietet.

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Woher kommt Legasthenie /Dyskalkulie?

Legasthenie (möglicherweise auch Dyskalkulie) geht nach heutiger Erkenntnis auf eine Veränderung im Gehirn-Stoffwechsel zurück, die bewirkt, dass durch die Sinne aufgenommene Informationen auf andere Weise verarbeitet (weitergeleitet, mit anderen Informationen verknüpft und abgespeichert) werden, als dies bei Nicht-Legasthenikern (-Dyskalkulikern) der Fall ist.

Diese veränderte Form des Hirnstoffwechsels wird zurückgeführt auf erbliche Ursachen oder auf sehr früh (noch vor der Geburt oder im frühen Säuglingsalter) erworbene organische Veränderungen.

Auf jeden Fall ist es sicher, dass die schulischen Lernstörungen weder auf elterliche Erziehungsfehler, noch auf Störungen der Eltern-Kind-Beziehung, noch auf soziale Ursachen zurückgeführt werden können und auch schulische Ursachen (z.B. bestimmte Leselehrgänge wie die Ganzwortmethode, die man eine Zeitlang verdächtigte) ausgeschlossen werden können.

Dennoch können bestimmte Umwelteinflüsse eine angeborene Störung verstärken und auf diese Weise den schließlich manifestierten Schweregrad einer Legasthenie oder Dyskalkulie mitbestimmen. Auf diese Weise kann z.B. eine länger andauernde Hör-Beeinträchtigung im Säuglings- und Kleinkindalter (etwa als Folge von Mittelohrentzündungen) zur Entwicklung einer Legasthenie beitragen. Auch die Ganzwortmethode ist für Legastheniker wohl eher als ungünstig einzustufen und hat zu einer Verstärkung des schulischen Störungsbildes beigetragen.

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Wie viele Legastheniker/ Dyskalkuliker gibt es eigentlich?

Grundsätzlich haben ca. 4% der Menschen - auch Erwachsene - eine Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung im Sinne des ICD-10-Katalogs der WHO). Diese Zahl ist international in vielen Ländern belegt.
Etwa 10 % der Schulkinder in Deutschland sind auffällig mit unterdurchschnittlichen Leistungen im Lesen und Rechtschreiben, die aus anderen Ursachen her Schwierigkeiten zeigen, die aber vorübergehend sind. Hier wird dann von LRS (Lese-Rechtschreibschwäche) gesprochen. Der Anteil der Schulkinder, die Schwierigkeiten im Lesen und Rechtschreiben bekommen, ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich hoch und hängt wohl auch von bestimmten Eigenheiten verschiedener Sprachen (z.B. der Lauttreue bei der Verschriftung) ab.

Dyskalkulie ....?

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Stimmt es, dass Legasthenie im Alter von 14 oder 15 Jahren
von alleine besser wird?

Legasthenie (möglicherweise auch Dyskalkulie) beruht auf einer klinisch nachweisbaren veränderten Verarbeitung sinnlicher Wahrnehmungen. Eine solche Veränderung ist auch bei erwachsenen Legasthenikern und nach erfolgreicher Lerntherapie noch nachweisbar. Insofern kann von einer spontanen Besserung oder gar einem Verschwinden ("Auswachsen") einer Legasthenie überhaupt nicht die Rede sein.

Dass trotzdem in manchen Fällen der Eindruck entsteht, dass die Legasthenie bei Jugendlichen von allein besser wird, kann daran liegen, dass in höheren Klassenstufen die Lese-Rechtschreibleistung anteilsmäßig weniger über den Schulerfolg entscheidet und weniger oft direkt abgeprüft wird (es werden weniger Diktate geschreiben, es muss weniger oft vor der Klasse vorgelesen werden) und dass von den Schülern in diesem Alter in höherem Maße kognitive Fähigkeiten verlangt werden (logisches Denken, Argumentieren, Interpretieren, Schlussfolgerungen ziehen), in denen Legastheniker/ Dyskalkuliker ihren nicht betroffenen Klassenkameraden nicht unterlegen sind.

Man sollte jedoch auf keinen Fall das Risiko eingehen, im Vertrauen auf eine solche "spontane Besserung" abzuwarten und auf eine rechtzeitige Förderung zu verzichten. Die seelischen Belastungen und Lücken im Wissenserwerb infolge einer nicht erkannten oder nicht ausreichend kompensierten Lernstörung sind gravierend und können die Bildungsbiographie und die berufliche und persönliche Lebenserfüllung betroffener Menschen dramatisch einschränken.

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Kann mein Kind trotz Legasthenie /Dyskalkulie
eine höhere Schule besuchen?

Wenn die allgemeine Begabung eines Kindes und seine Lernbereitschaft für den Besuch einer höheren Schule ausreicht, sollte eine Legasthenie oder Dyskalkulie dafür eigentlich kein Hinderungsgrund sein.

Die Wirklichkeit bei uns in Deutschland sieht leider anders aus. Nur wenige Grundschullehrer sind bereit, einem betroffenen Kind die Empfehlung für eine höhere Schule zu erteilen und die Realschulen /Gymnasien sind oft nicht bereit, sich auf die anders gearteten Lehr- und Lernbedürfnisse der betroffenen Schüler/innen einzustellen. Hinzu kommt, dass als Folge des verlangsamten Lesens und beeinträchtigten Schreibens /Rechnens die Wissensaufnahme und Wissensverarbeitung und damit der Schulerfolg in vielen/fast allen schulischen Fächern gefährdet ist.

Dies lässt sich durch den Einsatz technischer Hilfsmittel (Kassettenrecorder, Computer, Taschenrechner etc.) und durch Unterstützung im sozialen Umfeld verhindern. Doch solche Hilfsmittel und eine solche Unterstützung müssen durch die Schule gewährleistet oder wenigstens erlaubt werden, damit sie wirksam werden können.

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Hat Legasthenie etwas mit den Augen zu tun?

Man hat bei wissenschaftlichen Untersuchungen beobachtet, dass die Blickbewegungen der Augen beim Lesen bei Legasthenikern unruhiger sind als bei nicht betroffenen Kindern. Ihr Blick irrt häufiger suchend an der Zeile entlang und es erfolgen zahlreiche Blicksprünge nach rückwärts.

Daraus ziehen manche Forscher den Schluss, dass bei Legasthenikern die Blickmotorik beeinträchtigt ist und versuchen durch ein Blicktraining die Leseleistung betroffener Kinder zu verbesserm.

Allerdings ist diese Sicht umstritten, weil alle Lese-Anfänger zunächst diese unruhige Blickmotorik und die rückwärts gerichteten Blicksprünge zeigen. Außerdem könnte es genauso gut möglich sein, dass Ursache und Wirkung sich umgekehrt verhalten, die Legasthenie also für die unruhige Blickmotorik verantwortlich ist und nicht umgekehrt.

Es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Vermutungen, die die Augen in Zusammenhang mit legasthenen Störungen bringen und entsprechend Trainingsmethoden und Korrekturhilfen für die Augen als "Therapie" anbieten. Zu nennen wären hier die Annahme einer "Winkelfehlsichtigkeit" als Ursache von Legasthenie und ihre Korrektur durch Prismenbrillen, die Annahme einer Kontrastschwäche für bestimmte Lichtwellenlängen und ihre Korrektur durch farbige Folien oder auch die Verschreibung so genannter Rasterbrillen zur Korrektur eines fehlerhaften Blickverhaltens.

All diese Vermutungen sind wissenschaftlich bisher nicht belegt, ebenso wenig wie die Wirksamkeit der vorgeschlagenen Korrekturhilfen.

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Mein Kind hat lesen gelernt, ist aber ein sehr schlechter Rechtschreiber. Kann es trotzdem sein, dass es Legasthenie hat?

In den meisten Fällen sind Legastheniker schlechte Leser und schlechte Rechtschreiber. Häufig bleibt die Leseleistung ein Leben lang vermindert oder verlangsamt. Oft jedoch verbessert sich die Leseleistung nach anfänglich großen Schwierigkeiten und normalisiert sich so weit, dass der Betroffene dadurch nicht mehr sehr beeinträchtigt ist (z.B. ist das Lesetempo nur noch wenig verlangsamt und nur noch das laute Vorlesen für den Betroffenen ein Problem). Zurück bleibt meist eine lang anhaltende Schwäche in der Rechtschreibung, die die Betroffenen auch als Erwachsene und mit guten Kompensationstechniken nicht vollständig "in den Griff" bekommen können.

Doch es gibt durchaus auch Fälle einer isolierten Rechtschreibstörung, der keine Störung beim Lesenlernen vorausgeht.

Deshalb ist es durchaus möglich, dass Ihr Kind von einer Legasthenie betroffen ist, auch wenn es problemlos lesen gelernt hat. Ob dies der Fall ist, können Sie nur durch eine qualifizierte Diagnose erfahren.

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Mein Kind hat nicht nur mit dem Lesen und Diktatschreiben Probleme, sondern auch beim Aufsatz. Kann es trotzdem sein, dass es Legasthenie hat?

Probleme im Lesen und Rechtschreiben sind die auffallendsten Symptome einer Legasthenie. Doch es sind keineswegs die einzigen Symptome, die mit solch einer Lernstörung einhergehen können.

Strukturierungsprobleme beim eigenständigen Schreiben sind nicht selten. Sie führen dazu, dass die Kinder unvollständige Sätze schreiben oder nicht in der Lage sind, ihren Aufsatz sinnvoll zu gliedern oder eine Erzählreihenfolge einzuhalten. Viele Betroffene leiden auch an Wortfindungsschwierigkeiten, d.h. ihnen fällt das treffende Wort für eine Sache nicht ein und sie verwenden stattdessen ein ungeeignetes.

Manchmal hat solch eine unbeholfene Wortwahl auch einen anderen Grund: das Kind weiß nicht wie das "richtige" Wort geschrieben wird und verwendet ein anderes, um keinen Rechtschreibfehler zu machen. Schon aus diesem Grund ist es eigentlich eine Selbstverständlichkeit, bei legasthenen Schüler/innen die Rechtschreibung im Aufsatz nicht zu bewerten.

Übrigens kann eine Legasthenie Probleme nicht nur im Lesen, Rechtschreiben und im Aufsatz verursachen, sondern auch in fast allen anderen Fächern, vor allem, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt wird und das betroffene Kind ohne geeignete Förderung bleibt.

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Unser Kind wurde von einem Psychologen getestet und dabei eine Legasthenie festgestellt. Ich habe dann mit seinem Lehrer gesprochen und der hat gesagt: "Bei mir gibt es keine Sonderbehandlung für einzelne Schüler."
Kann ich auf einer Anwendung der Verwaltungsvorschrift bestehen?

Die Verwaltungsvorschrift für den schulischen Umgang mit Lese-Rechtschreibschwäche und Legasthenie in Baden-Württemberg ist für die Schulen zwar eine bindende Dienstvorschrift. Dennoch haben Eltern keine rechtliche Handhabe, ihre Anwendung gegenüber der Schule durchzusetzen. Die Vorschrift ist darüber hinaus so dehnbar, dass eine Schule oder ein Lehrer, der ihren Sinn nicht einsieht, auch von schulischer Seite kaum belangt werden kann. Das "Durchsetzen" hat also keine große Chance in Ihrem Fall.

Es lohnt sich dennoch, nicht einfach nachzugeben. Sprechen Sie mit dem Klassenlehrer und wenn das nichts bringt mit dem Schulleiter. Stellen Sie Ihren Antrag auf Anwendung der Verwaltungsvorschrift schriftlich, dann müssen Lehrer und Schulleiter sich auch schriftlich dazu äußern. Wenn diese die Sicht des Lehrers teilen sollten, dann wenden Sie sich an die Schulpsychologische Beratungsstelle oder an den /die LRS-Beauftragte am zuständigen Oberschulamt. An diesen Stellen sitzen Fachleute, die über Legasthenie in der Regel besser informiert sind als die unterrichtenden Lehrer. Von diesen werden sie jedoch ernster genommen als Forderungen stellende Eltern, deshalb ist es möglich, dass sich der Lehrer Ihres Kindes vom Schulpsychologen oder LRS-Beauftragten überzeugen lässt, dass schulische Förderung und Nachteilsausgleich notwendig sind und nichts mit Privilegien zu tun haben.

Eine Garantie für eine Berücksichtigung der Legasthenie Ihres Kindes im Unterricht bietet allerdings auch dieses Vorgehen nicht. Vor allem, wenn der betreffende Lehrer eigentlich einfach keine Lust hat, sich mit dem Thema Legasthenie auseinanderzusetzen, dann werden Sie bei ihm vermutlich auf Granit beißen. Sehen Sie in diesem Fall zu, dass Ihr Kind eine gute außerschulische Therapie erhält und hoffen Sie auf den nächsten Lehrerwechsel. Wenn es nicht anders geht, suchen Sie für Ihr Kind eine Schule, in der der Rektor dem Problem aufgeschlossener gegenüber steht.

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Mein legasthener Sohn ist im 7. Schuljahr und schreibt immer noch sehr viele Fehler im Diktat. Die Lehrerin sagt, für das 7. Schuljahr ist die Verwaltungsvorschrift nicht mehr gültig. Ist das tatsächlich richtig?

Das ist richtig und auch wieder nicht richtig. Die Verwaltungsvorschrift bezieht sich auf alle möglichen Formen von "Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens und Rechtschreibens", die unterschiedliche Ursachen haben können und von unterschiedlicher Ausprägung, Dauer und Schwere sein können.

Eine Legasthenie (Lese-Rechtschreibstörung im Sinne des ICD-10 Katalogs der Weltgesundheitsorganistion) ist unter diesen unterschiedlichen Formen sicher eine der schwerwiegendsten und dauerhaftesten, die in der Regel mit dem Ende des 6. Schuljahrs nicht behoben ist und vor allem dann noch sehr schwerwiegend sein kann, wenn eine Förderung des Kindes erst spät (nach dem 2. Schuljahr) begonnen hat.

Die Verwaltungsvorschrift trägt dieser Tatsache in einem Nebensatz Rechnung, in dem festgehalten ist, dass eine schulische Förderung und ein schulischer Nachteilsausgleich in Ausnahmefällen auch nach Ende der 6. Klasse zu gewähren ist. Leider scheut sich die bisherige VV, diese Ausnahmefälle konkreter als "Legasthenie" oder "Lese-Rechtschreibstörung im Sinne des ICD-10 Katalogs" zu benennen.

Sie sollten die Schule darauf aufmerksam machen, dass Ihr Sohn in diese Kategorie fällt und dies mit einem diagnostischen Testgutachten des Jungen belegen. In diesem Fall deckt die Verwaltungsvorschrift einen Nachteilsausgleich und eine schulische Förderung auch im 7. und höheren Schuljahren noch ab. Für die Abschlussprüfungen besteht allerdings (inkonsequenterweise) auch unter diesen Bedingungen kein Anspruch auf Nachteilsausgleich.

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Ich habe einen legasthenen Sohn (8 Jahre) und noch ein Kindergartenkind. Kann man einer Legasthenie im Vorschulalter wirksam vorbeugen?

Das ist möglich, und zwar mit einem geeigneten Programm zur Förderung der Phonologischen Bewusstheit /Lautbewusstheit (s. auch www.phonologische-bewusstheit.de) bei Vorschulkindern (z.B. "Hören, Lauschen, Lernen" von Petra Küspert und Wolfgang Schneider).

Diese Fähigkeit, den formalen Aufbau unserer gesprochenen Sprache aus Wörtern, Silben und Lauten bewusst wahrzunehmen, wurde als eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein störungsfreies Lesen- und Schreibenlernen erkannt. Vorschulkinder, die in diesem Bereich Defizite haben, können durch spielerische Übungen nach einem wissenschaftlich ausgearbeiteten Plan gezielt gefördert und damit auf die Anforderungen des Lesen- und Schreibenlernens vorbereitet werden.

Wenn dieses Programm im Kindergarten Ihres Kindes noch nicht eingesetzt wird, erkundigen Sie sich bei einer Erziehungsberatungsstelle oder Frühförderstelle, wo in Ihrer Gegend damit gearbeitet wird. (siehe auch Frage 2 : Kann man Legasthenie/Dyskalkulie schon im Vorschulalter nachweisen?)

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Mein Sohn ist 11 Jahre alt und Legastheniker. Wird er überhaupt jemals richtig schreiben lernen?

Wenn Ihr Sohn eine gute Förderung erfährt, wird er ausreichend gut schreiben lernen, um im Alltag und im Beruf zurecht zu kommen, aber er wird es vermutlich nie schaffen, fehlerfrei zu schreiben.

Wenn es auf Fehlerfreiheit besonders ankommt (z.B. bei einem Bewerbungsschreiben), sollte er deshalb jemand haben, der seinen Entwurf durchliest und die Rechtschreibfehler korrigiert.

Im übrigen sollte er lernen, mit der Rechtschreibkontrolle eines Textverarbeitungsprogramms umzugehen und sich für seine Fehler nicht zu schämen.

Wenn jemand sich darüber mokiert, kann er z.B. sagen: "Ja, wissen Sie, ich bin Legastheniker, ich kann nicht gut vorlesen und bin nicht sicher in der Rechtschreibung. Aber sonst habe ich keine Macken und verstehe mein Fach" - Wetten, dass er damit akzeptiert wird und von diesem Gegenüber keine weiteren dummen Bemerkungen mehr zu hören bekommt!

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Ich habe mein Kind bei einem Psychologen testen lassen. Dort wurde eine Begabung am unteren Rand des Durchschnitts festgestellt und mir gesagt, dass aus diesem Grund keine Legasthenie vorliegt. Ich bin dennoch der Meinung, dass die Schwierigkeiten meines Sohnes spezifisch sind und nicht einfach auf Begabungsmangel beruhen. Wie kann ich für mein Kind zu einer Förderung kommen?

Die Auskunft, die Sie erhalten haben, ist begründet durch das so genannte Diskrepanzkriterium für das Vorliegen einer Legasthenie: Wenn die allgemeine (Durchschnitts-)Begabung unterdurchschnittlich ist, wird auch dann keine Legasthenie attestiert, wenn die Lese- und Rechtschreibleistungen im auffälligen Bereich (Prozentrang kleiner als 15) liegen.

Sie sollten sich von dem Testpsychologen einmal das Intelligenzprofil (die Kurve, in der die Ergebnisse der einzelnen Untertests aufgezeichnet sind) ihres Kindes zeigen und erläutern lassen. Liegen die Werte der Untertests alle in der Nähe der ermittelten individuellen Durchschnitts-Intelligenz oder gibt es starke Schwankungen? Dies könnte ein Anhaltspunkt sein, dass doch eher von einer Teilleistungsstörung auszugehen ist.

Ein unterdurchschnittliches Testergebnis bei einem eigentlich normal begabten Kind kann z.B. zustande kommen, wenn das Kind an einer kombinierten schulischen Lernstörung (z.B. außer an Legasthenie noch an einer Dyskalkulie) leidet. In diesem Fall sind die spezifischen Ausfälle bei einzelnen Untertests so zahlreich und gravierend, dass sie den individuellen Durchschnitt deutlich nach unten drücken können. Ein solches unterdurchschnittliches Ergebnis kann immer auch dann zustande kommen, wenn das Kind während der Untersuchung aus irgendeinem Grund "einen schlechten Tag" hatte, sein Leistungsoptimum beim Test also nicht erreichte oder wenn es keine ausreichende Bereitschaft zeigte, bei dem Test mitzuarbeiten, z.B. weil es den Sinn der Untersuchung nicht verstanden hat oder weil es den Untersucher persönlich nicht mochte.

Um hier Klarheit zu gewinnen, wird es Ihnen nicht erspart bleiben, Ihr Kind bei einem/r zweiten Testpsychologen/in untersuchen zu lassen, eventuell auch mit einem anderen Test.

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