Außerschulische Förderung (Therapie)

 

Häufig ist gerade bei Kindern mit gravierenden Teilleistungsschwierigkeiten eine zusätzliche außerschulische Lerntherapie notwendig. Eine Lerntherapie ist keine Nachhilfe, sondern eine individuell ausgerichtete Förderung durch speziell dafür ausgebildete Fachkräfte. Sie verbindet pädagogische Förderung mit therapeutischen Maßnahmen zur Stützung des Selbstwertgefühls und zum Abbau von Versagensängsten.

Eine Lerntherapie kann die Teilleistungsschwierigkeiten jedoch nicht heilen. Sie kann aber helfen, die Lese-Rechtschreib- bzw. Rechenleistungen durch geeignete Strategien zu verbessern und auf diese Weise zum Schulerfolg zu verhelfen. Dennoch wird auch ein erfolgreich therapierter Legastheniker/Dyskalkuliker immer mehr Anstrengung und Mühe investieren müssen, um denselben Lernerfolg zu erzielen wie ein gleich begabter Nichtbetroffener.

Schauen Sie sich die Therapieangebote kritisch an. Seien Sie misstrauisch bei Therapieangeboten, die Legasthenie oder Dyskalkulie in kurzer Zeit „heilen“ wollen oder Methoden, die außerhalb des Lese- Schreiblernprozesses liegen. Seriöse Lerntherapeuten orientieren sich an den speziellen Beeinträchtigungen Ihres Kindes und arbeiten mit anerkannten Methoden. Es gibt keine staatlich verbindlichen Standards. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. hat jedoch Zertifizierungskriterien aufgestellt und führt eine Liste zertifizierter Ausbildungsinstitute und Lerntherapeuten. Aber auch nichtzertifizierte Therapeuten, die eine gute Aus- und Fortbildung für Teilleistungsstörungen haben und zusätzlich über langjährige Erfahrungen verfügen, sind zu empfehlen. Der Landesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. hilft Ihnen gerne weiter.

Schule und Lerntherapeuten sollten zusammenarbeiten. Vermitteln Sie deshalb den Kontakt zwischen den Lehrern und außerschulischen Lerntherapeuten Ihres Kindes.


Finanzierung einer außerschulischen Lerntherapie durch das Jugendamt

Die Finanzierung einer außerschulischen Lerntherapie ist bislang nur über das Jugendamt möglich. Krankenkassen zahlen keine Lerntherapie. Für die Finanzierung einer Lerntherapie müssen die Voraussetzungen einer (drohenden) seelischen Behinderung im Sinne des § 35 a SGB VIII vorliegen.

Das Jugendamt ist erst zuständig, wenn tatsächlich keine schulischen Förderangebote zur Verfügung stehen oder die vorhandenen schulischen Förderangebote im Einzelfall für das jeweilige Kind oder den Jugendlichen nicht ausreichen bzw. sich als nicht wirksam erwiesen haben.

Lese-Rechtschreibstörung und Rechenstörung sind für sich genommen noch keine seelischen Behinderungen im Sinne des § 35a SGB VIII.

Zusätzlich müssen bereits gravierende psychische, psychosomatische und/oder psychosoziale Folgeprobleme, wie Angstsymptome, depressive Entwicklungen, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder andere psychosomatische Symptome, soziale und Verhaltensstörungen oder Schulverweigerung vorliegen. Zu deren Feststellung ist ein Gutachten eines Arztes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, eines Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder eines speziell qualifizierten Kinderarztes oder Psychotherapeuten erforderlich.

Bedingt durch die psychische Gesundheitsbeeinträchtigung muss die psychosoziale Entwicklung und Integration des Kindes oder Jugendlichen nachhaltig in zumindest einem zentralen Bereich, Schule, Familie oder soziales Umfeld, beeinträchtigt sein oder mit hoher Wahrscheinlichkeit drohen.


Was ist für einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35 a SGB VIII erforderlich?

Frühzeitig vor Beginn der Fördermaßnahme schriftlicher Antrag an das Jugendamt:

  • Eingliederungshilfe nach § 35 a SGB VIII in Form einer Fördertherapie beantragen
  • Darstellung der individuellen Problemsituation: Legasthenie/Dyskalkulie und der daraus folgenden psychischen und sozialen Probleme
  • Medizinisches Gutachten zur Teilleistungsstörung, Gesundheitsbeeinträchtigung und zur Beeinträchtigung der sozialen Integration
  • Beurteilung des Klassenlehrers zu Schulleistungen, Lese-Rechtschreibleistungen/Rechenleistungen und Sozialverhalten
  • Angaben der Schule über die Fördersituation